Wir für den Menschen

Themenwoche Wohnen im Alter

Erding I 30.01.2020

Bei der Projektwoche „Wohnen" der Berufsfachschule für Altenpflege Erding beschäftigten sich die zukünftigen Altenpflegerinnen und –pfleger mit der Bedeutung von Wohnen für ältere Menschen. Eine Exkursion gab der Klasse Einblicke in alternative Wohnformen im BRK-Seniorenhaus Emmerting sowie in der Intensivpflege Lindenhof.

Wohnen ist ein Grundrecht. Doch wie sieht dieses Grundrecht im Alter aus? Muss ich in eine Pflegeeinrichtung umziehen oder kann ich selbstbestimmt daheim bleiben? Wie muss eine Wohnung im Fall von Pflegebedürftigkeit, Behinderung oder Demenz umgestaltet werden? Gesetzliche Grundlagen, psychosoziale Anforderungen und nicht zuletzt die Rolle der professionellen Pflegekraft standen bei der Projektwoche „Wohnen" auf dem Stundenplan der Klasse AP 17 der Erdinger Berufsfachschule für Altenpflege der Schwesternschaft München vom BRK e. V.. Nach nahezu einer Woche Theorie, Diskussion und Eigenarbeit rund um ‚normales und ungewöhnliches' Wohnen wollten sich die angehenden Altenpflegerinnen und -pfleger in der Praxis umsehen. Ihr Ausflug führte die Klasse zunächst in die betreute Wohngruppe für Intensivpflege Lindenhof in Kirchdorf am Inn. Das Besondere an dieser Wohngemeinschaft ist, dass hier vor allem tracheotomierte und beatmete Patienten zusammen leben. Möglich ist diese alternative Wohnform außerhalb eines Krankenhauses oder Pflegeheims nur durch die ambulante Betreuung von qualifizierten Pflegekräften rund um die Uhr. Die meisten der hier lebenden Menschen wurden nach langwierigen Intensivbehandlungen in Akutkliniken mit dem sogenannten Tracheostoma (einer Kanüle in der Luftröhre) in die ambulante Versorgung entlassen. Kristina Andrijanic hatte für einen der Bewohner ein besonderes Geschenk dabei: ein Puzzle mit 1.000 Teilen. „Wir wussten von den Kolleginnen aus dem vorherigen Kurs, dass Herr M. wahnsinnig gerne puzzelt und wir wollten ihm diese Freude bereiten", so die Auszubildende. Mit ‚Merci Schokolade' verabschiedeten sich die Erdinger von der Intensivpflege-Einrichtung, um sich beim Mittagessen in einer Pizzeria zu stärken.

Am Nachmittag stand eine weitere alternative Wohnform auf dem Programm: das BRK-Seniorenhaus Emmerting. Mit selbstgebackenem Kuchen als Mitbringsel trafen die Auszubildenden auf die Senioren, die in vier Hausgemeinschaften mit maximal zwölf Personen leben. Mittelpunkt im BRK-Seniorenhaus ist jeweils der großzügige Wohn- und Küchenbereich, in dem alle Mahlzeiten gemeinsam frisch zubereitet und verspeist werden. Besonderen Wert legt man in Emmerting darauf, dass der aus dem früheren Alltagsleben vertraute Tagesablauf mit Bewegung, Gerüchen und Ritualen erhalten bleibt. „Dieser Rhythmus wirkt therapeutisch dem Gefühl der Leere entgegen, das viele alte Menschen empfinden", erklärte Einrichtungsleiterin Hilde Hahn, denn „gerade Menschen mit Demenz brauchen vertraute Aktivitäten und überschaubare Räumlichkeiten zur Orientierung." Eine der Bewohnerinnen zeigte den Schülerinnen stolz ihr Zimmer. Azubi Christine Stautner war beeindruckt von dem liebevoll eingerichteten Zimmer: „Hier hat jeder ein Einzelzimmer mit möglichst viel eigenem Mobiliar." Begeistert zeigten sich alle vom Angebot der Wellness-Damen Ewa und Liudmila. Wohltuende Bäder mit aromatischen Ölen, Hot-Stone-Massagen, auf Wunsch Maniküre, Fußmassage und Getränke nach Wahl sorgen von 7 bis 19 Uhr für völlig entspannte und erholte Bewohner. Für den Auszubildenden Marcel Fuß ein zusätzlicher Grund, hier einmal selbst zu arbeiten: „Es war schön mit den Bewohnern beim Kaffee zu plaudern. Besonders aufgefallen ist mir deren Zufriedenheit."

„Mit der Pflegeberufereform und ihrer Zusammenführung der Alten-, Kranken und Kinderkrankenpflege zu einer generalistischen Pflegeausbildung eröffnen sich zusätzliche Wechsel- und Einsatzmöglichkeiten in allen Bereichen der Pflege", erzählt Kerstin Sievers, Lehrerin für Pflege. „Unsere Absolventen können zukünftig ebenso in einer solchen Einrichtung wie der Intensivpflege Lindenhof, als auch in einem Seniorenhaus arbeiten", betont sie. Die neue, ebenfalls dreijährige Berufsausbildung ist EU-weit anerkannt und wird in Erding erstmals ab dem 1. September 2020 angeboten.