Projektwoche Tod und Sterben online

Erding I 15.04.2021

Die Ausbildung in der Altenpflege ist vielseitig und umfasst verschiedene Lernfelder. Ein zentraler Punkt ist die Pflege alter Menschen. Zu den Besonderheiten der professionellen Pflege gehören existenzielle Erfahrungen wie Sterben und Tod von Patienten und Bewohnern in deren letzten Lebensphase. Um angehende Altenpflegekräfte auf diese anspruchsvolle Aufgabe vorzubereiten, führt die Erdinger Pflegeschule der Schwesternschaft München vom BRK e.V. jährlich ein mehrteiliges Seminar zu dem schwierigen Thema durch.

Normal gehören mit zur Projektwoche Besuche in Hospizen, Palliativeinrichtungen und einem Bestattungsinstitut. „Corona hat uns genötigt, dieses sensible Thema komplett im Online-Unterricht zu behandeln", erzählt Kerstin Sievers. Die Pädagogin ist deshalb besonders beeindruckt von der persönlichen Auseinandersetzung und dem empathischen Umgang jedes einzelnen Schülers daheim am PC mit den Seminarinhalten. Um sich dem Thema kreativ anzunähern, befassten sich die Pflegeschüler zum Einstieg mit verschiedenen Materialien und Bildern mit den Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross, eine der bekanntesten Sterbeforscherinnen. Zur Veranschaulichung der Interaktion von Sterbenden mit ihren Pflegekräften und deren Rolle als Begleiter hatte Pflegepädagogin Erika Birner-Hintermaier kurze Filme gedreht. „Das Video zum Abschiedsritual in einer Pflegeeinrichtung hat mir die Trauerarbeit gut verdeutlicht", sagt Nadine Preisacher. Für die Schülerin ist es wichtig, den Prozess der Trauerverarbeitung zu kennen, um trauernde Menschen besser verstehen zu können. Birner-Hintermaier produzierte dafür eigens einen Kurzfilm zu den vier Phasen nach Verena Kast.

Theorie ist die Basis, aber um den Kurs auf die Praxis vorzubereiten, sind Rollenspiele nicht immer beliebt, aber unersetzlich. Denn Gespräche mit Sterbenden können unterschiedlichste Wendungen nehmen: Wahrheit, Lebenslügen, Sinnfindung, Umgang mit Leid, Beziehungen zu Angehörigen u.v.m. sind mögliche Inhalte, die geübt und reflektiert werden sollten. Das lange Sitzen vor dem PC und das anspruchsvolle Thema forderte Körper, Geist und Seele. „Die Bewegungsübungen in den kurzen Pausen waren eine tolle Auflockerung und haben mir geholfen, zwischendurch wieder ein wenig Abstand zu dem sehr emotionalen Thema zu bekommen", lobt Schüler Beata Ovcarikova.

Im nächsten Seminarteil ging es um die pflegerischen Aspekte. Sievers erstellte gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern eine Pflegeplanung mit vorheriger Problemanalyse, Zielfestlegung und geplanten Maßnahmen für einen Sterbenden. Die virtuellen Gäste vom Hospizverein und vom SAPV-Team (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) bereicherten mit ihrem Expertenwissen die Gruppenarbeiten und standen für Fragen zur Verfügung. „ Die Beispiele aus der palliativen Patientenpflege waren sehr hilfreich. Ich kann jetzt meine Bewohner viel besser begleiten", lobte Schülerin Nicole Leiteritz.

„Das Thema liegt uns sehr am Herzen. Gerade jetzt in der Corona-Krise sammeln unsere Schülerinnen und Schüler in den Heimen teilweise ambivalente Erfahrungen. Bei solch emotionalen Themen wie Tod und Sterben ist ein guter, enger Kontakt mit unserem gesamten Lehrerteam für die Auszubildenden sehr wichtig", betont Sievers. „Weitere Kontakte und Hilfe bieten die Trauerbegleiter des Christophorus Hospizvereins Erding e.V.", ergänzt ihre Kollegin Birner-Hintermaier und weist noch einmal auf den Stellenwert des professionellen, aber dennoch empathischen Umgangs der Pflegeberufe mit dem in unserer Gesellschaft meist tabuisiertem Thema hin.

Corona-konformer Online-Unterricht der BFS für Pflege Erding bei einem sensiblen, emotionalen Thema


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